1923-1932
1922/23, um diese Zeit stand bereits die Fußballhochburg Nürnberg-Fürth. Einige Sportbegeisterte sahen sich bereits Spiele in Nürnberg an.

Höhepunkte waren seinerzeit Gastspiele der Mannschaften von Sparta Prag und Slavia Prag, sowie MTK Budapest. Diese Mannschaften zählten zur europäischen Spitzenklasse. Spieler wie Stuhlfauth, Kalb, Bark waren bereits zu Idolen geworden.

Das Jahr 1923 war das turbulenteste Inflationsjahr, es beendete jedoch auch die seit Ende des 1. Weltkrieges 1918 aufgekommene Geldentwertung durch die Umstellung von 1 Billion Mark auf 1 Reichsmark.

Der Gemeinde Ezelsdorf ist unter dem damaligen Bürgermeister Georg Hirsch gelungen, noch 1923 als eine der ersten Gemeinden das „Elektrische Licht“ zu bekommen.

Wie bescheiden die Haushalte zur damaligen Zeit sein mussten, geht daraus hervor, dass kaum mehr als 3 Brennstellen pro Haus eingerichtet wurden.
Durch die herrschende gallopierende Schwindsucht des Geldes konnte die Einrichtung der elektrischen Beleuchtung jedoch buchstäblich mit einem Butterbrot bezahlt werden.
Die Bevölkerung war zu der Zeit hauptsächlich in der Landwirtschaft tätig. Einige versuchten schon im Baugewerbe zu arbeiten. Facharbeiter im eigentlichen Sinne gab es auf dem flachen Lande zu dieser Zeit nur vereinzelt.
Wie unbemittelt damals nicht nur die Bevölkerung, sondern auch die Kommunen waren, geht aus dem Bericht der Freiwilligen Feuerwehr Ezelsdorf zum 100-jährigen Bestehen hervor. An der Tilgung einer Schuld von RM 2050,- musste die Gemeinde Ezelsdorf 15 Jahre lang „knabbern“.
Zur Beleuchtung der damaligen Verhältnisse muss noch erwähnt werden, dass Fußballspielen an Höheren Schulen verpönt war. Erst etwa 1926 trat hier durch jüngere Sportlehrer eine Wandlung ein.

In größeren Orten hatten sich inzwischen schon Vereine gebildet, die sich ausschließlich dem Fußballsport widmeten.
So entschloss sich auch Ezelsdorf eine Gruppe junger Leute einen Verein zu gründen.

1923 war es so weit, dass man an das Aufstellen einer Mannschaft gehen konnte.
Die Tore wurden den Vorschriften entsprechend aufgestellt. Pfosten und Balken wurden von den Zimmerleuten Georg Vitzthum und Michael Silberhorn mit dem Handbeil gefertigt.
Als Gründungsmitglieder werden – soweit die Erinnerung sie erfassen lässt – genannt: Georg Maul, Georg Abraham, Martin Kratzer, Georg Holzammer, Hans Müller, Stefan Schmidt, Heinrich Schmidt, Konrad Schmidt, Georg Vitzthum, Michael Silberhorn, Adam Rupprecht, Heinrich Hegendörfer, Paul Leonhard, Walter Intrup.

Die Ausrüstung dieser „Ersten Garnitur“ lag anfangs noch sehr im Argen. Zum Teil wurde noch in langen Hosen gespielt, Fußballschuhe hatten nur ein paar „Außenseiter“. Es darf hier verraten werden, dass das erste Wettspiel gegen die Reichsbahn mit 0: 21 verloren ging. Kein Wunder, dass das Feuer der „Gründer“ schnell verlöschte. Die nachdrängende Jugend war den „Vorreitern“ in spielerischer Begabung bereits überlegen und nahm bald das Heft in die Hand.

Die Gründungsfarben des FC Ezelsdorf waren schwarze Hose/ gelbes Trikot. Der erste Vereinsvorstand war nach Berichten Walter Intrup, der in der Bäckerei Eckersberger (jetzt Wied) als Geselle arbeitete.

1924 übernahm Adam Rupprecht (der Bruder unserer Vereinswirtin; im Krieg gefallen) die Vorstandschaft, musste jedoch aus beruflichen Gründen das Amt 1925 an Heinrich Schmidt (zuletzt wohnhaft in Pattenhofen, gestorben 1972) übergeben. Heinrich Schmidt führte den Verein mehrere Jahre.

Der Verein hatte sich inzwischen einen guten Ruf erworben, was zur Folge hatte, dass „Gastarbeiter“ aus den Nachbarorten sich dem Verein anschlossen. Vor allem Sportler aus Postbauer waren dem Verein sehr zugetan.
Die Spieler Sepp Rottler, Hans Link, Seppl Buchner, Sepp Keimel, Franz Scholl, Paul Hertel, Hans lins und Stefan Leonhard, sind noch in bester Erinnerung.

1926 war schon eine recht spielstarke, mit Technikern und Kämpfern durchsetzte Mannschaft auf dem Plan.


von links nach rechts:
erste Reihe: Stefan Schmidt (gef.), Paul Fischer (gef.), Hans Ruff
zweite Reihe: Müller Konrad (Wirt), Hans Leykauf (Ochenbruck), Konrad Müller
dritte Reihe: Hans Gspahn (gef.), Eckersberger Georg, Fritz Kratzer, Georg Vitzthum I,
Georg Schmidt

Nehmen Sie es dem Chronisten nicht übel, wenn er bei dieser Mannschaft, die für die Weiterentwicklung des FC Ezelsdorf von großer Bedeutung war, etwas in’s persönliche geht. Paul Fischer und Konrad Müller waren kraftvolle Spieler, die vor allem in der Verteidigung eingesetzt waren. Sehr gute Techniker waren Georg Eckersberger und Stefan Schmidt. Hans Ruff hat mit seinem „Linken“ nicht nur manches Tor herausgeschossen, er hat dem Verein auch über manche finanzielle Pleite hinweggeholfen. Ein Naturbursche war Fritz Kratzer mit dem Spitznamen „Tull“ nach dem Idol des Hamburger-Sportverein Tull Harder. Kondition und Härte erlaubten es dem Fritz, mich auf dem Rahmen seines Rades zum Spiel nach Hilpoltstein und zurück zu fahren. Hans Leykauf war eine Leihgabe aus Ochenbruck. Die restlichen Spieler fügten sich gut in die Mannschaft ein.
Sehr gute Privatspielbeziehungen wurden zu den „Zwingern“, einer Privatmannschaft, die in Oberhembach ein Sportgelände hatte, unterhalten. Lebhafter Spielbetrieb wurde auch mit Nürnberger Mannschaften gepflegt. In der Verbandsrunde hatte die Mannschaft es fast immer mit schweren Brocken zu tun. Die Gegner waren in der Hauptsache Feucht, Wendelstein, Allersberg, Hilpoltstein, Pyrbaum, DJK Neumarkt, SC Schwabach, Siemens Nürnberg, Altdorf, Beilngries.

Die Strecken zu den Auswärtsspielen wurden fast ständig mit dem „Drahtesel“ bewältigt.
Erst ab 1927/28 stellte der Gspahn Hans sein Milch-Lieferauto zur Verfügung. Der Hans selber durfte nicht mitspielen, das war ihm von seinem Vater strikt verboten, und Gehorsam war zu jener Zeit ein Gebot.

In Laufamholz hat es sich nun einmal ergeben, dass nur 10 Mann zur Verfügung standen. Was lag näher, als den Hans mit einzusetzen. Heimlich leise zog er dem Ruff Hans seine neu erworbenen Lackschuhe an und kickte munter mit. Ruff soll nach dem Spiel beim Anziehen seiner Schuhe aus dem Staunen nicht mehr herausgekommen sein; so sehr hatten sich seine Schuhe verändert.

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