CARVING:

"Carven" ...im Skisport zu deutsch ...mit Skiern Kurven in die Piste schneiden.

Carving wird als die neue Lust am Skifahren bezeichnet. Die Angebotspalette der auf dem Markt erhältlichen Skitypen ist breit gefächert. Gemeinsamkeit aller Carver-Modelle ist die starke Taillierung und eine reduzierte Länge, wobei mit zunehmender Taillierung die Länge des Carvingskis abnimmt.

Unter Carving versteht man eine Fahrweise, bei der der Ski auf der Kante gefahren wird und eine scharfe Spur in den Schnee "schneidet" (to carve, engl. schneiden, schnitzen). Zur besseren Kantenführung und zur Vermeidung des Schnee-Schuh-Kontaktes bei starken Kurvenlagen und in steilen Hängen wird eine Erhöhung (Platte) zwischen Ski und Bindung montiert. Die Plattenhöhe orientiert sich am Fahrkönnen und am Einsatzbereich (Allround-, Fun-, Racecarving, Freeriding etc.)

Gecarvt wird ohne oder mit nur geringem Stockeinsatz. Auch bei den Skischuhen gibt es carvingspezifische Entwicklungen. Fast jeder Hersteller hat spezielle Carvingschuhe entwickelt. Wesentliches Merkmal eines Carvingschuhs sollte die leichtere und größere Beugefähigkeit sein.

Die altbewährte Beinspieltechnik oder intensives Umsteigen spielt beim Carving keine Rolle mehr. Die Skiführung ist meist offen und die Beinarbeit voneinander unabhängig. Mit zunehmender Taillierung und reduzierter Skilänge werden Carvingtechnik und Carvingski mit nahezu jeder Technik fahrbar. Die Form des Skis lässt sich jedoch nur nutzen, wenn der Ski auf der Kante gefahren wird.

Carvinggefühle - Carvingphilosophie :
Carvingschwünge hinterlassen spezielle, scharfe Spuren und erzeugen starke Gefühle. Das kann süchtig machen.

Der Carverski schneidet an, führt, gleitet, hält Stand und schießt aus einer Kurve in die andere. Er stützt und er fordert den Fahrer. Das leichte Handling der taillierten Ski und ihre ausgeprägte Autokinetik verlangen Einsatz und kreatives Handeln.

Das Gleiten, das Urgefühl des Skifahrens, ist nicht mehr auf das Schussfahren beschränkt.

Starke Kurvenlagen - einst verdächtige Fehlerquellen - möchten ausgereizt werden.
Der anwachsende und nachlassende Kurvendruck wird zu einem Spiel, in dem man Schwung um Schwung die eigene Kraft gegen die Fliehkräfte der Kurve setzt und sich die Erfolgserlebnisse des souveränen Handelns schafft.

Tempo wird als Kurvengeschwindigkeit erlebt. Es wird unabhängig von der absoluten Geschwindigkeit und misst sich allein an den Prozessen des Schwunges. Schon im unteren Tempobereich können so Kurven atemberaubend sein.

"Jeder malt sich selbst in den Schnee". Ein Satz, der für Carver nicht besser formuliert sein könnte. Das Selbstbild als Skifahrer misst sich heute nicht mehr so sehr am Gelingen und an der Perfektion von Bewegungstechniken, sondern orientiert sich an der Gestaltungskraft für Gleitprozessen, Kurvenverläufen und Raumbeherrschung.

Häufig gestellte Fragen :
Kann Carving leicht(er) erlernt werden?

Ja! Wofür man in den 20er-Jahren Jahre, in den 50-er Jahren Monate, in den 70-er Jahren Tage brauchte, das spielt sich heute in Stunden ab. Warum? Der Carvingski und die Carvingtechnik bringen es!

Wie groß ist die Umstellung von der klassischen Technik zur Carving-Technik?

Sehr groß, was die Fahrweise betrifft. Fast alles ist anders geworden. Alles ist einfacher und selbstverständlicher geworden. Knüpft an unsere Alltagsbewegungen an. Beispielsweise keine komplizierten Drehungen und Verdrehungen sowie keine speziellen Be- und Entlastungen mehr. Wir überlisten nicht mehr die Ski, um eine Kurve zu fahren, wir lassen die Ski selbst die Kurve fahren. Wir verlassen uns auf die eingebauten Kurven im Ski, wie sie in der Taillierung angelegt sind und durch den Biegedruck (Flex) verstärkt werden.

Welcher Carving-Ski ist der richtige für mich?

Grundregel: Kurz und stark tailliert für Jedermann! Besonders Anfänger, Handicap-Fahrer und Senioren sollten die jeweils kürzeste Länge eines Typs wählen. Sehr gute und sportliche Fahrer können etwas länger wählen, aber bei 180 Zentimeter endet das Maß im Freizeitbereich. Ausgesprochene Tiefschneefahrer sollten den Carvingski etwas länger und etwas moderater in der Taillierung wählen. Wer als Carver die einfache, aber raffinierte Snowboardtechnik liebt, landet wieder bei der Regel "kurz und stark tailliert".

Bringt erst die neue Fahrtechnik den Carving-Ski zur Entfaltung?

Selbstverständlich. Nur wer den Ski schnell und voll auf die Kante stellt, nur wer schnell und weit in die Kurve kippt, nur wer mit offener Skiführung und beidbeiniger Belastung fährt, bringt seine Skieigenschaften voll zur Geltung und kommt zur automatischen Kurve.

Wie kann man sich körperlich auf Carving vorbereiten?

Für moderates Fahren genügen eine gute Alltagskondition oder die Kondition, die man sich mit einer anderen Sportart geschaffen hat. Für sportliches und extremes Carven braucht man im wörtlichen Sinne ein gutes Standvermögen. So wie dies die Ruderer, die Schwerathleten, Läufer, Springer und alle Ballspieler haben. Oder man trainiert speziell Beugen und Strecken als Carvinggymnastik. Man braucht Kraft um sich gegen die Kräfte in der Kurve zu wehren.

Ist Carving sicherer?

Dreimal sicherer! Erstens: Das leichtere Handling der Ski macht uns reaktionsschnell. Zweitens: Wir stehen auf selbst auf einem glatten Hang wie eine Eins. Drittens: Beim Carving stürzt im Zweifelsfall nach innen. Dieses Stürzen zum Hang hin ist ein problemloseres Stürzen, das selten in Drehungen und Überschlägen endet. Dazu kommt der kurze Ski. Jeder Zentimeter kürzer verkürzt die Hebel, die uns im Sturz zu schaffen machen.

Ist Carving gesünder?

Die frische Luft, die Klimareize des Winters und die intensive Bewegung des Skifahrens sind gleich geblieben. Dennoch: Es sind keine unnatürlichen Bewegungen wie das Verdrehen und Knicken der Knie oder die Verwringung des Oberkörpers mehr notwendig.

Die Fragen beantwortete Dr. Walter Kuchler - Carving-Vorreiter und Mitglied der 0°Celsius-Akademie.

Was versteht man unter einem "Carvingski"?

Derzeit vereint dieser Begriff eine breite Palette von Produkten und ist nicht eindeutig definiert Die Skilängen reichen vom 200 cm "Racecarver" bis zum 120 cm "Funcarver".

Die Radien variieren natürlich je nach Skilänge. Es sei nochmals darauf hingewiesen, dass neben der "Skitaillierung" und dem "vorkonstruierten Kurvenradius" die Fahreigenschaften eines Skis von einer Reihe weiterer Konstruktionsmerkmale abhängen. Steifigkeit in Längsrichtung (Biegelinie), Dämpfungseigenschaften, elastisches Verhalten, Torsionssteifigkeit, Kantentuning (Kantenwinkel), Belagsstruktur u.a.m. beeinflussen das Fahrverhalten entscheidend mit.

Wie ist Carving entstanden?

Der Rennlauf hat hier Pionierarbeit geleistet. Beschneiungsanlagen, maschinelle Schneeerzeugung, kompakte Pisten durch moderne Pistengeräte (Fräsen, Druck und große Arbeitsbreite) stellten die Skibauer vor neue Probleme. Harte, eisige Pisten sind die Herausforderungen an den Freizeitskiläufer. In den Wettkampfdisziplinen ist diese Art von Pisten das tägliche Brot der Rennläufer. So wurden zunächst in Riesenslalom und Super G neue Skitypen entwickelt, die ein exaktes Steuern und Schneiden in engen Kurven zuließen. Zunächst als "Renngeräte" für austrainierte Athleten und hohe Kurvengeschwindigkeiten konstruiert, kamen diese neu entwickelten Skitypen sehr schnell in den Freizeitskilauf.

Der Carvingboom setzte 1995 ein. Die Carvingtechnik, auch als Radial- oder Diagonaltechnik bezeichnet, hat ihren Ursprung in der Telemarktechnik, die um 1860 entwickelt wurde. Hier findet sich erstmals das Fahren auf der Kante und der Taillierung.

Was ist beim Fahren mit Carvingski anders?

Beim Carving gibt es keine klassische Vorbereitungsphase des Schwunges mehr. Durch Umkannten und entsprechende Positionierung des Körperschwerpunktes werden die Schwünge nahtlos aneinandergereiht. Die kürzeren, stark taillierten Ski drehen in der Hauptphase des Schwunges leichter über die Falllinie und ermöglichen ein starkes Steuern aus der Falllinie in der Endphase des Schwunges. Eine saubere Steuerphase kommt jedoch auch mit Carvingskiern nur dann zustande, wenn der Körperschwerpunkt im Schwungverlauf richtig über der Skilängsachse positioniert wird und über den Skiern bleibt. Es gelten weiterhin die Grundregeln des alpinen Skifahrens, angepasst an die neuen Möglichkeiten. Charakteristisch ist die offene Fahrweise mit unabhängiger Beinarbeit.

Carvingski erlauben engere Kurvenradien für auf den Kanten gefahrene Schwünge. Mittlere Geschwindigkeiten machen besonders Spaß und schon bei niederen Geschwindigkeiten sind durch die engen Radien Fliehkräfte als "Druck auf die Skier" zu spüren. Bei gleichen Geschwindigkeiten sind mit Carvingskiern größere Schräglagen in engeren Radien als mit herkömmlichen "Normalskiern" möglich. Dies erhöht den Fahrgenuss (Kurvengefühl) für sportliche Skiläufer, setzt allerdings auch körperliche Fitness voraus.

Durch seine Drehfreudigkeit ist ein vernünftiger Carvingski eine hervorragende Lernhilfe und eignet sich besonders auch für niedere Geschwindigkeiten, also auch für den Unterricht mit ungeübten Skiläufern. Insbesondere empfehlenswert sind Carvingskier für den Übergang von der Grundschule in die Fortbildung, also als Hilfsmittel zum Erlernen des parallelen Skifahrens.

Welche Schwächen und Stärken haben Carvingski?

Schwächen

Schwächen im Rutschverhalten (zielgenaues gerutschtes Steuern ist schwieriger als mit Normalskiern); steile Hänge, stark eisige Piste.
Höherer Kraftaufwand bei hohen Kurvengeschwindigkeiten. Fliehkräfte nehmen mit dem Quadrat der Geschwindigkeit zu. Gute konditionelle Eigenschaften sind notwendig, um diese Kräfte zu meistern.
Nach Verkanten sind diese Skier weniger tolerant in der Korrektur, weil sie größere Ablenkungen zulassen.
Stärken

Carvingski ermöglichen leichtes Eindrehen im Schwungansatz schon bei geringem Aufkantwinkel.
Die reduzierten inneren Kräfte für das Drehen der Skier bringen Bewegungsökonomie
Der aufgekantete, kurze Ski zeigt große Stabilität im Steuerverhalten.
Ökonomisches, leichtes Steuern ist schon im langsamen und mittleren Geschwindigkeitsbereich möglich.
Starke Kurvenlagen und enge Schwungradien erzeugen schon bei niederen Geschwindigkeiten ein dynamisches Fahrgefühl.
Carvingski ermöglichen durch diese neue Fahrdynamik ein lustvolles Kurven und Schneiden.
Sicherheitsanweisungen für Carver

Neben den Regeln des Internationalen Skiverbandes (FIS) sollten Carver folgende Punkte beachten:

Carving bietet schon bei geringer Grundgeschwindigkeit das volle Kurvengefühl. Strebe also die erhöhte Kurvengeschwindigkeit und nicht generell hohes Tempo an.
Carvingtechnik und Carvingski versprechen eine sichere Spur auch bei höherem Tempo. Kalkuliere aber größere Abstände ein und überhole weiträumiger.
Carverski gleiten im Schuss nicht ganz so ruhig, wie klassische Skitypen. Vermeide hohes Tempo und führe den Ski aufmerksam.
Halte Dich bei frequentierter Piste an einen engen Korridor entlang der Falllinie. Auch der auf weite Schwünge angelegte Carverski lässt kleine Schwünge zu.
Gewöhne dir den Carverblick an Schaue während stärker ausgezogener Schwünge den Berg hinauf, um Kollisionen zu vermeiden.
Lasse dich beim Training und bei der Ausführung sogenannter 360er oder Kreiskurven von einem Beobachter leiten. Der Carverblick ist obligatorisch.
Greife beim Extremcarving mit der Hand nicht gegen die Fahrt nach vorne in den Schnee. Bei seitlicher Führung nach hinten weggleiten.
Wenn man beim Carving stürzt, fällt man meist in die Kurve hinein. Stelle Dich darauf ein. Du kannst dabei leichter als früher gefährliche Überschläge und Drehungen vermeiden.
Lasse Deine Sicherheitsbindung sorgfältig einstellen. Die Berechnung muss berücksichtigen, ob du ein moderater oder ein extremer Carver bist.
Dein Ski hat nur Führungskraft, wenn Kanten und Belag in einem optimalen Zustand sind. Sorge für einen häufigen und regelmäßigen Service.

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